Kult(B)IG

Tradition Raiffeisen: Wirtschaft Neu Denken Landesmuseum Koblenz

13. Juni 2018 bis 27. Januar 2019

Bei einem Pressegespräch am heutigen Dienstag hat Kulturminister Konrad Wolf zusammen mit Ausstellungsmachern und Partnern die bundesweit größte Sonderausstellung zum Raiffeisenjahr 2018 vorgestellt. Die Schirmherrschaft dieses Projektes hat Ministerpräsidentin Malu Dreyer übernommen.
Ab dem 13. Juni können die Besucherinnen und Besucher den Spuren Friedrich Wilhelm Raiffeisens (1818-1888) als einem der Begründer der modernen Genossenschaftsidee folgen. Die Ausstellung zeigt, wie Raiffeisen in Zeiten gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Herausforderungen die Idee der Genossenschaften miterdacht und umgesetzt hat, wie sich die Genossenschaften seitdem entwickelt und welche globale Ausbreitung sie erlangt haben. Weltweit sind heute rund eine Milliarde Menschen in Genossenschaften zusammengeschlossen.

Kulturminister Wolf sagte bei der Pressevorstellung der Schau: „Rheinland-Pfalz ist ein Ausstellungsland. Wir möchten spannende Themen allen Interessierten näher bringen. Diese innovative und interaktive Ausstellung bietet den Besucherinnen und Besuchern die Möglichkeitkeit, der Genossenschaftsidee und Ihrer Geschichte näherzukommen. Dazu dienen zahlreiche Mitmachaktionen, die auch die ganze Vielfalt der Genossenschaften heute verdeutlichen: ob Konsum-, Energie- oder auch Schülergenossenschaft. Sie alle zeigen, dass diese Organisationsform die Lösung für eine Vielzahl ganz unterschiedlicher Probleme sein kann.“

Die Ausstellung regt auch zum Nachdenken über das aktuelle Wirtschaftssystem an und zeigt, dass jeder einzeln oder gemeinschaftlich Wirtschaft verändern kann. Seit 2016 ist die Genossenschaftsidee Immaterielles Kulturerbe der UNESCO.

Es handelt sich um eine Ausstellung im Rahmen des Raiffeisen Jahres 2018 in Zusammenarbeit mit der Deutschen Friedrich-Wilhelm-Raiffeisen-Gesellschaft e.V.

Zur Ausstellung:
Die Ausstellung gliedert sich in drei Sektionen.
Die erste Sektion beschäftigt sich mit dem Menschen Friedrich Wilhelm Raiffeisen (1818-1888) und seiner Zeit. Eingangs wird die von wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umbrüchen bestimmte Lebenssituation des 19. Jahrhunderts mit Industrialisierung, Verarmung der Landbevölkerung, den Preußischen Reformen und Auswanderung thematisiert. Anschließend rücken Raiffeisen und sein Werdegang in den Fokus. Am 30. März 1818 in Hamm an der Sieg im ländlichen Westerwald geboren, in kleinen Verhältnissen aufgewachsen, meldet er sich zunächst mit 17 Jahren zum Militär. Dort wird er in Koblenz zwischen 1838 und 1840 zum Oberfeuerwerker (Ingenieur) ausgebildet. Die Inspektionsschule befindet sich zu dieser Zeit im Kurfürstlichen Schloss in Koblenz. Aufgrund eines Augenleidens scheidet er 1843 aus dem Militärdienst aus. Zwischen 1845 und 1865 ist er Bürgermeister der Gemeinden Weyerbusch, Flammersfeld und Heddesdorf. Sein christlicher Glaube steht im Zentrum seines Wirkens, beruflich wie privat. In der Ausstellung wird in diesem Kontext die Bibel der Familie Raiffeisen aus dem Jahr 1867 zu sehen sein (Leihgeber: Ortsgemeinde Hamm/Sieg). Er stirbt am 11. März 1888 in Heddesdorf bei Neuwied.

Raiffeisen entwickelt in den unruhigen Zeiten des 19. Jahrhunderts die Genossenschaftsidee; ein Wirtschaftssystem, das den Menschen und seine Bedürfnisse im Mittelpunkt sieht. Damit ist er nicht allein: Sein Zeitgenosse Hermann Schulze-Delitzsch ist im städtischen Raum tätig. Beide wissen um die Notsituation der Menschen und versuchen dieser entgegenzuwirken. Raiffeisen auf dem Land, Schulze-Delitzsch in der Stadt. Beide haben ihre Erfahrungen niedergeschrieben: Die „Darlehnskassen-Vereine“ (Raiffeisen) und die „Vorschuss- und Kreditvereine“ (Schulze-Delitzsch). Beide Bücher werden in der Ausstellung präsentiert. Eine interaktive Mitmachstation regt die Ausstellungsbesuchenden an, die Maxime Raiffeisens „Was einer alleine nicht schafft, das vermögen viele“ aktiv nachzuempfinden.
Raiffeisen und Schulze-Delitzsch werden im Folgenden anderen herausragenden Sozialreformern der Zeit, wie Karl Marx, Adolph Kolping, Ferdinand Lassalle und Minna Cauer, gegenübergestellt. Überblicksartig wird auch die Entwicklung der Genossenschaften von der Zeit bis 1933, über den Nationalsozialismus bis heute thematisiert. Dabei werden die Genossenschaftsbanken sowie Wohnungsbau- und Agrargenossenschaften in der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg 1945 im Westen wie im Osten in den Blick genommen.

In der zweiten Sektion stehen die Genossenschaften heute in ihrer Vielfalt im Fokus. Vorgestellt werden mithilfe interaktiver Mitmachstationen Konsum-, Energie- und Taxigenossenschaften. Aber auch die für Rheinland-Pfalz wichtigen Schülergenossenschaften finden Platz in der Ausstellung. Außerdem werden die Struktur, weltweite Verbreitung und Vernetzung der Genossenschaften behandelt. Weltweit sind heute rund eine Milliarde Mitglieder in über 100 Ländern in Genossenschaften organisiert. Allein in Deutschland sind es etwa 22,6 Millionen in knapp 8.000 Genossenschaften in den unterschiedlichsten Sparten. Auch die Aufnahme der Genossenschaftsidee und -praxis in die Repräsentative Liste des Immateriellen Kulturerbes der Menschheit durch die UNESCO im Jahr 2016 ist Thema der Ausstellung.

Die dritte Sektion geht den Schritt über die Genossenschaften hinaus und beschäftigt sich mit dem Thema „Wirtschaft heute neu denken“. Es werden alternative Ideen zum klassischen Wirtschaftssystem vorgestellt, so etwa Gemeinwohlökonomie, Solidarische Ökonomie und Postwachstumsökonomie. Thematisiert werden auch im Sinne von „Wirtschaft neu bewegen“ im Alltag praktikable Ideen wie Upcycling, Reparieren statt Wegwerfen und foodsharing. Die Ausstellungsbesuchenden sollen sich als aktiver, partizipierender Teil des Wirtschaftslebens verstehen und sich mit der Thematik einer anders gedachten Wirtschaft auseinander setzen. Mitmachen ist hier die Devise.

Am Ende der Ausstellung sieht sich der Ausstellungsbesuchende noch einmal Friedrich Wilhelm Raiffeisen gegenüber. Er kann ihm und den anderen Besuchenden eine Nachricht hinterlassen und notieren, welche Antwort er auf die Frage „Wie gemeinwohl wollen Sie leben“ geben möchte.
Vermittlungsziel der Ausstellung ist: Jeder, ob einzeln oder gemeinschaftlich, in großen oder kleinen Schritten, kann Wirtschaft durch aktives Handeln verändern und mitgestalten – so wie Friedrich Wilhelm Raiffeisen.

Zielgruppe: Kinder ab 12 Jahren und Erwachsene
Die Ausstellung ist zweisprachig (Deutsch und Englisch). Die Texte liegen in beiden Sprachen in einem Booklet für den Ausstellungsbesuch und zur Mitnahme bereit.

Ausstellungsgestaltung: Atelier Hähnel-Bökens, Düsseldorf/Berlin

Am Mittwoch, 4. Juli 2018 bleibt die Ausländerbehörde der Kreisverwaltung wegen einer Fortbildung ganztags geschlossen.

mehr...

Im diesjährigen Wettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft" hat die Ortsgemeinde Zilshausen die Bewertungskommission auf Kreisebene überzeugt. Den zweiten Platz nimmt die Ortsgemeinde Urbar ein.

mehr...