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„Papiertiger oder Löwenmutter - Rheinland-Pfälzische Frauennotrufe diskutieren über Chancen der Istanbul-Konvention

Anlässlich ihres Fachtages zur Istanbul-Konvention begrüßen die Frauennotrufe in Rheinland-Pfalz das Übereinkommens des Europarats zur Verhütung und zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häusliche Gewalt und die darin geforderte verstärkte Bekämpfung und Prävention sexualisierter sowie anderer Formen geschlechtsspezifischer Gewalt.

Mit diesem umfassenden, internationalen Abkommen wird Gewalt gegen Frauen – insbesondere auch sexualisierte Gewalt  und sexuelle Belästigung - als das anerkannt, was es ist: eine Form von Menschenrechtsverletzung und Diskriminierung“ erläutert Astrid Rund vom Frauennotruf im Rhein-Hunsrück-Kreis. Die in der vergangenen Woche in Kraft getretene Konvention verlangt eine aktive Politik gegen Diskriminierung von Frauen, um geschlechtsspezifische Gewalt zu bekämpfen und schreibt u.a. in Artikel 22 fest, dass es für alle Betroffenen von geschlechtsspezifischer Gewalt spezialisierte Hilfen geben muss, die gut erreichbar und mit angemessenen Ressourcen ausgestattet sind.

Dazu gehören die spezialisierten Fachberatungsstellen für gewaltbetroffene Frauen und Mädchen.
Als Dachverband sieht auch der Bundesverband der Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe (bff) hier großen Handlungsbedarf. Vor allem im ländlichen Raum fehlen Fachberatungsstellen, an die Betroffene sich wenden können. Viele Fachberatungsstellen sind nicht barrierefrei und sie müssen ihre Sprechzeiten beschränken. Die Finanzierung der Fachberatungsstellen wird meist im Rahmen nicht abgesicherter sogenannter ‚freiwilliger Leistungen‘ von Ländern und Kommunen gestellt, die stetig neu beantragt werden müssen.

„Die Anfragen an die Fachberatungsstellen nehmen kontinuierlich zu – von Betroffenen, Fachkräften oder Angehörigen. Das spricht für den Erfolg unserer Arbeit, bringt uns aber in schwierige Situationen. Jetzt, da die Istanbul-Konvention geltendes Recht ist, muss mehr Geld ins System.“, so Katja Grieger vom bff. Die Landesarbeitsgemeinschaft der Frauennotrufe in Rheinland-Pfalz hält zusammen mit dem Bundesverband für die Umsetzung der Konvention eine politische Gesamtstrategie für zentral, denn die Beendigung geschlechtsspezifischer Gewalt ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Aus diesem Grund widmete das Gremium der zwölf Fachstellen in Rheinland Pfalz seinen Fachtag diesem Thema gemeinsam mit der Expertin des Europarates Karin Heisecke.

„Wir müssen  auf Bundes- und Landesebene  Strategien entwickeln und umsetzen, sowie auch die kommunale Ebene einbeziehen. Nur so können wir dafür sorgen, dass die Konvention kein Papiertiger bleibt, sondern zum Schutz für gewaltbetroffene Frauen weltweit zur „Löwenmutter“ wird“,  sind sich die rheinland-pfälzischen Fachfrauen einig. „In der Bekämpfung geschlechtsspezifischer Gewalt darf es jetzt keine Rückschritte mehr geben, aber auch ein „Weiter so“ reicht nicht aus!“

Verantwortlich: Astrid Rund, Frauennotruf Rhein-Hunsrück-Kreis

6. Das Stadtarchiv im „Maison dit Stadt Schreibereyhaus“

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