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Einblick in die Polizeiarbeit - Polizeiinspektion Bingen bei der BIG

Unser Redaktionsgespräch mit zwei Polizisten der Polizeiinspektion Bingen begann mit einem großen Lob vom Ersten Polizeihauptkommissar, Herrn Andreas Henschel, an Sandra Hagenauer, die erst im Mai ihr Studium zur Kommissarin abgeschlossen hat.

 

Herr Henschel bedankte sich für unsere Einladung und erwähnte dabei auch, dass er das Gespräch zwar begleite und mit seinen 33 Jahren Erfahrung sicher einiges in anderen Worten erklären würde als Frau Hagenauer, er ihr aber durchaus zutraue, das Interview auch allein meistern können, denn sie genieße sein volles Vertrauen in allen Angelegenheiten. Ein sehr guter erster Einstieg in ein äußerst interessantes Gespräch, das wir in der BIG-Redaktion mit diesen zwei Kollegen der rheinland-pfälzischen Polizei führen durften, bei dem wir ganz nebenbei auch einen sehr positiven Einblick in das starke kollegiale Teamverhalten bekamen. Sandra Hagenauer, die mit Ihren 34 Jahre nun in ihrem „Traumberuf“ angekommen ist, erzählte uns, dass sie bereits auch andere Berufserfahrung gesammelt habe. Vier Jahre war sie im Sauerland in einem großen Unternehmen im Marketing tätig, hier war es nicht die Tätigkeit, sondern das menschliche Miteinander, was ihr nicht gefallen habe. Danach war sie vier Jahre erfolgreich mit einem eigenen Spa-Wellness-Angebot selbstständig. Insgesamt fehlte ihr bei beiden Jobs aber die Abwechslung im Alltag, sie fühlte sich beruflich nicht erfüllt. Das ist nun als Polizistin alles anders. 

Schon immer war der Beruf als Polizistin für sie interessant und mit Ende 20 entschied sie sich, den Schritt zu wagen und zwar in Rheinland-Pfalz. Hier, so sagte sie, gefalle ihr insbesondere die präsidiale Einstellung in verschiedenen Gebieten. Dies bietet den Anwärtern eine bessere Planungssicherheit als in NRW, zudem gilt die Polizeihochschule in RLP als eine der besten des Bundes. Aber auch das bessere Wetter waren ein Grund für Frau Hagenauer, ihren Lebensmittelpunkt aus dem Sauerland zu verlegen, ist die Temperatur hier doch immer um einige Grade höher. 

Auch über das Studium hat Sandra Hagenauer nur Positives zu berichten. Im Vergleich zu anderen Studiengängen genießt man viele Vorteile, man muss sich z. B. keine Gedanken um die Finanzierung des Lebensunterhaltes machen und wie manch anderer Student zahlreiche Nebenjobs annehmen, die unter Umständen zu einer Vernachlässigung des Studiums führen können. Das Studium ist finanziert, zahlreiche kostenlose Sportangebote können genutzt werden, ein Zimmer in der Hochschule wird gestellt und zudem bekommt man auch noch ein Gehalt ausgezahlt. 

Ein weiterer Vorteil der Laufbahn in RLP ist die vor einigen Jahren erfolgte Umstellung auf die zweigeteilte Laufbahn: Der mittlere Dienst wurde gestrichen, und die Einstellung mit Beginn der Polizeihochschule erfolgt direkt im gehobenen Dienst als Kommissar-Anwärter. 

Mit Fachabitur oder einem gleichwertigen Abschluss und nach Bestehen einiger Einstellungstests stehen einem die Türen zur Polizeihochschule offen. Für Interessenten mit mittlerer Reife hat die Polizei RLP eine höhere Berufsfachschule eröffnet, in der die Bewerber in zwei Jahren die Möglichkeit haben, den erforderlichen Schulabschluss nachzuholen, um so auch eine Zugangschance zum Studium zu erhalten.  

Frau Hagenauer berichtet: „ Auf eine der wichtigsten Grundlagen des Berufes wird schon im Studium viel Wert gelegt: Die Eigensicherung steht stets an erster Stelle.“ Und Herr Henschel fügt hinzu:  „Jeder Polizist läuft Gefahr verletzt zu werden und muss auch selbst körperlich tätig werden. Und aus Erfahrung kann ich sagen, es kostet sehr viel Überwindung, sowohl psychisch als auch körperlich, Gewalt an einem anderen Menschen anzuwenden. Ein Polizist trägt in solchen Situationen eine große Verantwortung für sich, aber auch für seine Mitmenschen“. Wenn in kritischen Situationen durch an das Gegenüber angepasste und deeskalierende Kommunikation keine Schlichtung erzielt werden kann, folgt im Polizeialltag durch streng geregelte Vorgaben der Einsatz von Zwängen. Nur in Ausnahmefällen, kann ebenso fest geregelt, der Einsatz von Pfefferspray, Schlagstock oder sogar der Waffe folgen. 

Angepasst an die Entwicklung der Gesellschaft setzt auch die Polizei bei ihrer Arbeit vermehrt auf den Einsatz der sozialen Medien. In den großen Präsidien wie Mainz sind dafür in der Vergangenheit extra Fachleute eingestellt worden.

Sandra Hagenauer sieht diese Entwicklung im Großen und Ganzen positiv: „So haben wir z. B. in Vermisstenfällen die Möglichkeit, in sehr kurzer Zeit sehr viele Menschen zu erreichen“. Wichtig bei der Polizeiarbeit in den sozialen Netzwerken ist es, dass stets nach Daten und Fakten, nie nach Vermutungen veröffentlicht wird, fügte Herr Henschel hinzu. 

Im Zuständigkeitsgebiet der Polizeiinspektion Bingen mit ca. 55 Tausend Einwohnern blieb laut Statistik die Höhe der Straftaten in den vergangenen Jahren gleichbleibend bei ca. 3.800. Ganz oben stehen dabei Betrugsdelikte, gefolgt von Diebstählen und Köperverletzungen. 

Schnell waren fast zwei Stunden beim aufschlussreichen Interview verflogen und wir mussten uns von den beiden Beamten verabschieden. Das BIG-Team bedankt sich noch einmal für das nette, offene und informative Gespräch und wünscht viele weitere, erfolgreiche und einsatzarme Dienste. <> Polizei Bingen / BIG

 

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